Welche Anreize gibt es, zu arbeiten?

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Eine partizipatorische Wirtschaft ist darauf ausgerichtet, das Motivationspotenzial nicht-materieller Anreize zu maximieren. Es besteht die begründete Hoffnung, dass Arbeitsplätze, die von den Arbeitern gestaltet werden, freudvoller sein werden als solche, die von Kapitalisten gestaltet werden. Es gibt auch Grund zu der Annahme, dass die Menschen eher bereit sind, Aufgaben auszuführen, die sie selbst vorgeschlagen und denen sie zugestimmt haben, als Aufgaben, die ihnen von Vorgesetzten übertragen werden. Und schließlich gibt es Grund zu der Annahme, dass Menschen eher bereit sind, unangenehme Aufgaben gewissenhaft zu erledigen, wenn sie wissen, dass die Verteilung dieser Aufgaben sowie die Belohnung für die Mühen der Menschen gerecht sind.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es in einer partizipatorischen Wirtschaft keine materiellen Anreize gibt. Die Mühen bei der Arbeit wirken sich direkt auf Konsumrechte aus. Allerdings werden die Unterschiede in den Mühen sicherlich nicht zu den extremen Einkommensunterschieden führen, die für die heutigen Marktwirtschaften charakteristisch sind.

Die Annahme, dass nur demonstrativer Konsum die Menschen motivieren kann, nur weil wir im Kapitalismus darauf getrimmt wurden, ist unbegründet. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Menschen auch aus anderen Gründen als dem Wunsch nach persönlichem Reichtum zu großen Opfern bewogen werden können. Und es gibt gute Gründe für die Annahme, dass nicht-pathologische Menschen Reichtum im Allgemeinen nur als Mittel zur Erreichung anderer Ziele wie wirtschaftliche Sicherheit, Komfort, soziale Wertschätzung, Respekt oder Status begehren.

Wenn die wirtschaftliche Sicherheit für Jeden und für seine Kinder gewährleistet ist, besteht keine Notwendigkeit, aus Angst vor der Zukunft Vermögen anzuhäufen. Wenn die Menschen an der Entscheidungsfindung beteiligt sind, werden sie ihre Verantwortung wahrnehmen, ohne viele Anreize von außen zu benötigen. Ist die Verteilung von Lasten und Nutzen gerecht und wird sie als gerecht empfunden, wird das Gefühl von sozialer Verpflichtung ein stärkerer Anreiz sein als heute.

Zusammenfassend lässt sich sagen, wenn ein fairer Anteil an Mühe und persönlicher Belastung von Arbeitskollegen verlangt wird, die ansonsten für den fehlenden Teil der Arbeit aufkommen müssen, wenn zusätzliche Mühen von den Kollegen gewürdigt, von der Gesellschaft anerkannt und mit einem entsprechenden Anstieg der Konsummöglichkeiten belohnt werden, und wenn die Menschen ihre Aufgaben selbst geplant und vereinbart haben, gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass es zu wenig Anreize geben wird.

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